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Praxiserfahrungen erhöhen die Chancen

TRÄUMEN IST SCHÖN, ABER INITIATIVE ERGREIFEN IST BESSER. PRAKTIKA ODER FREIWILLIGENDIENSTE ÖFFNEN VIELE TÜREN. von Saskia Weneit
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Praktika oder Freiwilligendienste sind viel mehr als Kaffee kochen, kopieren und ­Kuchen aus der Kantine holen. Sie bieten die Chance, den Wunschberuf in der Praxis zu testen. Und mit den eigenen Erwartungen abzugleichen: Ist dieser Beruf wirklich das, was ich machen will? Kann ich das und gefällt mir die Branche? Berufsberater raten sehr zu praktischen Erfahrungen. Denn sie zeigen: Da hat sich jemand Gedanken ­gemacht. Mit guten Beurteilungen aus einem Praktikum kann man gegebenenfalls sogar schlechte Noten im Schulzeugnis aufwerten. Auch Wartezeiten lassen sich mit dem Engagement sinnvoll überbrücken.


Praktika

Eine Bewerbung sollte rechtzeitig erfolgen, gerade in beliebten Branchen muss man mit längeren Wartezeiten rechnen. Ob und in welcher Höhe ein Praktikum bezahlt wird, richtet sich nach dem Arbeitgeber. Es sollte mindestens drei Monate dauern, besser sind sechs Monate – wenn der Lohn stimmt. Man muss allerdings bedenken: Immerhin fast 40 Prozent der Praktika sind unbezahlt.


Freiwilligendienste – auch im Ausland

Eine andere Möglichkeit, in den Arbeits­alltag reinzuschnuppern oder die Zeit bis zum Ausbildungs- oder Studienstart sinnvoll zu nutzen, sind Freiwilligendienste. Es gibt das Freiwillige Soziale Jahr, das Kulturelle oder das Ökonomische Jahr. Man kann es im In- oder Ausland verbringen. Bewerber müssen zwischen 16 und 27 Jahren sein und die Schulpflicht absolviert haben. In der Regel beginnen Freiwilligendienste im September oder Oktober. Doch auch andere Einstiegstermine können vereinbart werden.

Die Freiwilligen sind sozialversichert und erhalten ein monatliches Taschengeld, einschließlich einer Pauschale für Unterkunft und Verpflegung. Weil sie Azubi-Status haben, gibt es bei Anspruch und Nachweis Kindergeld und andere staatliche Leistungen. Wer auf einen Studienplatz wartet, kann sich das Jahr als ein Wartesemester anrechnen lassen. Mögliche Einsatzorte sind Pflegeheime, Behindertenwohn­gruppen, Krankenhäuser, Theater, Museen, Naturschutzverbände oder Nationalparks. ­Darüber hinaus kann man über Auslandspraktika die Welt erkunden. Oder über „Work and Travel“-Programme, bei denen man bis zu einem Jahr in Ländern wie Australien oder Spanien herumreist und etwa auf Farmen oder in Hotels arbeitet. Für den Aufenthalt ist Eigeninitiative gefragt, so etwas braucht organisatorischen Vorlauf, etwa für das Visum.

Außerdem: Weil die Wehrpflicht ausgesetzt ist, löst seit Juli 2011 der Bundesfreiwilligen­dienst den Zivildienst ab. Zwischen sechs und 24 Monaten dauert der Einsatz. Die Teilnehmer haben die gleichen Ansprüche wie die anderen Freiwilligen, für das Taschen­geld ist eine bundesweite Obergrenze vorgesehen.


Engagement beweisen

Unabhängig davon, für welche Variante man sich entscheidet: Wer ein längeres Praktikum oder gar einen Freiwilligendienst vorweisen kann, vergrößert seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das Engagement beweist Motivation und Durchhaltevermögen, erhöht das Selbstbewusstsein und vermittelt neue Kompetenzen und Erfahrungen. Es zeigt bei zukünftigen Bewerbungen: Da hat jemand über den eigenen Tellerrand geguckt und sich in der Erwachsenenwelt erfolgreich behauptet.