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Der erste Tag im Job

GUTER EINDRUCK, RICHTIGES OUTFIT, PASSENDER TON: WIE AUSZUBILDENDE DIE ERSTEN TAGE GUT ÜBERSTEHEN. von Rita Nikolow
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Wenn der neue Lebensabschnitt beginnt, fühlen sich viele Auszubildende überfordert, gestresst und unwohl. „Der Ausbildungsstart ist ein ordentlicher Sprung ins kalte Wasser“, sagt auch der Karriereberater Uwe Schnierda. Wer sich durch den Start zu sehr unter Druck gesetzt fühlt, dem rät der Fachmann, erst einmal durchzuatmen.

„Normalerweise reagieren die neuen Kollegen sehr geduldig“, sagt Schnierda. Schließlich hätten die auch einmal ange­fangen. Trotzdem sollten „die Neuen“ im Unternehmen oder Betrieb gewisse Spiel­regeln beachten – auch im zwischenmenschlichen Bereich: „Es ist gut, sich nach und nach mit allen Kollegen zu unterhalten“, sagt der Karriereberater. Und auch herauszufinden, wofür sich die Mitmenschen jenseits von ihren Jobs interessierten.


Die Kollegen wollen wissen, wie der neue so tickt

„Wenn die Kollegen über ein Thema reden, bei dem ihre Augen leuchten und sie mit den Armen rudern, dann reden sie wohl gerade über ihr Herzensthema“, sagt ­Schnierda. Themen wie Haustiere, ­Fußball oder das Wetter können auch beim Mittagessen oder in der Kaffeepause gute Anknüpfungspunkte sein. „Small Talk ist etwas, mit dem viele junge Menschen noch nicht vertraut sind“, hat der Karrierecoach beobachtet.

Vor dem ersten Mittagessen sollten sich die neuen Azubis aber auch überlegen, was sie über sich selbst erzählen möchten. „Die Leute wollen herausfinden, wie der Neue so tickt, was das für ein Mensch ist und ob sie mit ihm auskommen können“, sagt Jürgen Hesse, Geschäftsführer des Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader. Der Karriere­berater empfiehlt den Azubis, Offenheit auszustrahlen. Ganz egal, wie locker sich das Unternehmen gibt, in dem man seine Ausbildung beginnt: Azubis sollten alle Kollegen grundsätzlich erst einmal siezen. Und sich – vielleicht schon im Vorstellungsgespräch – danach erkundigen, ob das Unternehmen ihnen für die erste Zeit einen Tutor an die Seite stellt.


Immer sachlich bleiben

Als Neuer oder Neue hat man sie noch nicht drauf, die sichtbaren und unsichtbaren Hierarchien, Freund- und Feindschaften innerhalb des Kollegiums. „Azubis sollten deshalb immer neutral sein und sachlich bleiben“, rät Jürgen Hesse. Und auch die kleinen, feinen Hinweise verstehen: „Wenn ein Vorgesetzter oder Kollege den Azubi darum bittet, sich doch mal Gedanken über eine Sache oder ein Projekt zu machen, sollte man das angehen“, sagt Jürgen Hesse.

In der ersten Zeit bekommt man als Azubi im Unternehmen mehr Informationen, als man sich merken kann. „Deshalb sollten die Jugendlichen regelmäßig Arbeitstagebuch führen“, empfiehlt Jürgen Hesse, Geschäftsführer des Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader. Und notieren, welche Informatio­nen man bekommen hat – und welches Feedback.


Der gute Ruf

Ebenfalls wichtig sei, dass sich die Jugendlichen im Unternehmen gut kleiden. „Wer unsicher ist, kann dazu auch noch mal einen Blick in die Firmenbroschüre oder auf die Homepage werfen“, empfiehlt Hesse. Dabei sei es besser, zu schick als zu nachlässig angezogen zu sein. Für Uwe Schnierda ist noch ein weiterer Punkt sehr wichtig: „Azubis sollten Einsatzbereitschaft zeigen.“ Und besser nicht um 16.59 Uhr den Bleistift fallen lassen, wenn um 17 Uhr der Feierabend beginnt.


Unbedingt machen:

Namen lernen.

Man kann es nicht oft genug betonen: Namen und Arbeitsbereiche der Kollegen gehören zu den Dingen, die für Azubis absolute Priorität haben sollten. „Wenn ich ständig mit falschem Namen angesprochen werde oder mich der Azubi ständig fragt, wie ich denn noch mal heiße, dann wird es schnell unerfreu­lich“, sagt Uwe Schnierda. Wichtig sei es außerdem, die „Reviere der anderen“ zu respektieren. „Azubis sollten fragen, wo sie sich hinsetzen dürfen“, sagt er. Und während der Arbeit auch nicht einfach nach der Schürze oder dem Kugelschreiber eines Kollegen greifen. Denn wer in das Revier eines anderen – und im Falle des Azubis ja immer in der Hierarchie über ihm Stehenden – eindringt, kann sich schnell nachhaltig unbeliebt machen.


Unbedingt lassen:

Krankmachen.

Zugegeben, der Start ins Berufsleben kostet ziemlich viel Kraft. Azubis sollten es aber trotzdem vermeiden, in der ersten Zeit krank zu werden. „Natürlich ist es eine Umstellung für die Auszubildenden, plötzlich acht Stunden am Tag zu arbeiten“, sagt Thomas Rübel. „Wenn man aber schon nach ein bisschen Kopfweh und fünfmaligem Niesen beschließt, zu Hause zu bleiben, kommt das gar nicht gut an“, betont der Karriereberater. Nach Rübels Ansicht ist das Zuhausebleiben unter Auszubildenden leider ein Trend, der stark zugenommen hat. Wenn sich Azubis also gesundheitlich ange­schlagen oder schlapp fühlen, sollten sie sich zehnmal fragen, ob sie deshalb wirklich nicht zur Arbeit gehen können. Und wenn nicht, dann auf jeden Fall krankschreiben lassen. Auf Dauer kann aber häufiges Zuhausebleiben ihrem guten Ruf schaden. Und das ist keine gute Voraussetzung dafür, nach dem Ende der Ausbildung übernommen zu werden.